AZ - VOR - ORT 16.03.2009
![]() |
|---|
Prof. Klaus Dörner, Elke Klein und Detlev Ihlenfeld - Foto von Karen Eva Noetzel Das Heim als Auslaufmodell Radikalreformer Klaus Dörner zu Gast im Pfarrsaal Herz Jesu. Plädoyer für die neue Wohnform „trauminsel47drei“ im Sheridan-Wohngebiet
Pfersee│noet│An der Oskar-Schindler-Straße im Sheridan-Wohngebiet ist ein ungewöhnliches Wohnprojekt geplant. Bis 2010 wollen rund 20 Menschen mit und ohne Behinderung in ein Mehrfamilienhaus namens „trauminsel47drei“einziehen. Das Dachgeschoss des barrierefreien und ökologischen Gebäudes mit 14 Wohneinheiten soll Platz bieten für ein selbstbestimmtes Leben von fünf Frauen und Männern mit Handicap, die sonst in ein Heim ziehen müssten. Der Planungsentwurf steht. Jetzt werden Sponsoren gesucht, Banken, Stiftungen und Privatpersonen. Für die besondere Bauweise und die professionelle 24-Stunden-Pflege würde viel Geld benötigt, so Elke Klein von der Trauminsel. Gesucht werden darüber hinaus noch Interessenten für eine solche Hausgemeinschaft. Schützenhilfe für das Projekt haben sich Elke Klein und der unterstützende Verein „Gemeinschaftlich Wohnen in Augsburg“ mit Detlev Ihlenfeldt an der Spitze in Kooperation mit dem Augustana-Forum bei Deutschlands vielleicht bekanntestem Psychiater Klaus Dörner geholt. In seinem Vortrag „Leben und Sterben wo ich hingehöre“ im Pfarrsaal Herz Jesu hielt der frühere ärztliche Leiter der Westfälischen Klinik Gütersloh und Radikalreformer der deutschen Psychiatrie ein Plädoyer für neue Wohnformen im Zeichen einer stark steigenden Zahl pflegebedürftiger alter Menschen und Demenzkranker. „Es entsteht eine neue Gesellschaft“, sagte der Professor. Nahezu jeder werde heutzutage mit einer Pflegesituation konfrontiert. Man könne daher von einer neuen „menschheitsgeschichtlichen Aufgabe“ sprechen. Gleichzeitig hat der Wissenschaftler eine Neuorientierung der Senioren festgestellt. Seit 1980 wollen immer weniger in ein Heim. Immer mehr wollen Generationen gemischt leben. Immer weniger wollen nur von Profis gepflegt werden. Und für immer mehr Alte wächst die Bedeutung des Stadtviertels als sinngebender Ort. Dörners Credo: „Das Heim ist ein Auslaufmodell.“ Sein Vorschlag: ein Nachbarschaftsmodell, bei dem Alte, körperlich, geistig und psychisch Kranke in ihrem angestammten Stadtteil in Wohngruppen leben und von den Bürgern der Umgebung versorgt werden. Das bedeute in Sachen Pflege die Ausdehnung der Blutsverwandtschaft auf die Wahlverwandtschaft. Seit den 80er Jahren wachse eine entsprechende solidaritätsorientierte Bürgerbewegung mit bislang mindestens 1000 Projekten. Diese Entwicklung könne die seit 100 Jahren bestehende Tradition einer Trennungsgesellschaft aufbrechen. Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert werde laut Klaus Dörner das Gemeinwohl marktwirtschaftlichen Mechanismen unterworfen und zur Effizienzsteigerung in einem flächendeckenden System, vulgo Pflegeeinrichtungen und Heimen, die Unbrauchbaren von den Brauchbaren geschieden. In der anschließenden Diskussionsrunde zielten die Publikumsfragen mehrheitlich auf die praktische Umsetzung des Trauminsel-Projekts ab. Hier konnte der Fachmann beruhigen. Die Mitbewohner sollen nichts weiter tun als die Rolle des aufgeschlossenen Zeitgenossen in- mitten unterschiedlichster Menschen zu übernehmen.
Nähere Informationen bei Elke Klein unter Telefon 0821/715153 oder bei Detlev Ihlenfeldt unter 0821/22939456 oder im Internet unter www.gemeinschaftlich-wohnen-in-augsburg.de oder www.trauminsel-47drei.de . |
zurück zum Anfang
© trauminsel-47drei - eMail an trauminsel-Webmaster
aktualiesiert 13.06.2010


